Portrait

Jennifer Aniston

Die Schauspielerin hat ihr privates Happy End und den richtigen Mann gefunden.
Text: Kirstin Rübesamen

Jetzt wissen wir, wie es bei Jennifer Aniston zu Hause zugeht. Die Aufnahmen der Überwachungskameras, die überall in ihrer Villa in Malibu angebracht sind, zeigen die ungeschminkte Wahrheit in Schwarz-Weiß-Mitschnitten. Schon in der Tiefgarage beschimpft die Schauspielerin ihre verängstigte Assistentin. Dann fährt sie den neuen Luxuswagen an die Wand, rennt nach oben, um mit vier Personal-Trainern ihrer Sucht nach Fitness freien Lauf zu lassen. In der Hightech-Küche, in der sie selbst nie kocht, streichelt sie schnaufend ihren mächtigen Bauch. Drillinge – die Geburt steht kurz bevor. Dann greift Jennifer Aniston zur Mineralwasserflasche. Der aktuelle TV-Spot der Marke „Smartwater“ sagt viel aus über den derzeitigen Gemütszustand seiner Hauptdarstellerin: Sie ist extrem entspannt. Alles läuft wunderbar im Leben von Jennifer Aniston. So wunderbar, dass sie ihr Superstar-Image derart selbstironisch auf die Spitze treibt. Die 44-Jährige, die nach Anzahl der ihr zugeschriebenen Schwangerschaften schon an die hundert Kinder geboren haben müsste, punktet wieder einmal mit einer Eigenschaft, die ihr auch schon früher geholfen hat – mit ihrem unerschütterlichen Humor. Hat sie wirklich auf ihrer Verlobungsparty mit Justin Theroux nur Wasser getrunken und weder Champagner noch Sushi angerührt, weil sie schwanger ist, wie gerüchteweise verbreitet wurde? Oder steckt nur die Verzweiflung des amerikanischen „Star Magazine“ dahinter, das in der ereignisarmen Woche nach der Wahl von Barack Obama einen Knaller auf dem Titel brauchte? Aus dem Spot, der dem echten Leben vermutlich gar nicht so fern ist, so wie jeder gute Witz immer hautnah an der Realität schrammt, kann man lesen: Natürlich treibt sie viel Sport, hält eisern Diät, will mit den besten Regisseuren arbeiten, sich trotzdem romantisch verlieben und Mutter werden. Was die Sympathie für sie kaum schmälert. Im Gegenteil, sie hat immer noch so etwas vertraut Nettes an sich. Und dabei ist klar, dass zugleich eine Menge Ehrgeiz und Disziplin nötig sind, um sich so lange an der Spitze zu halten und zweistellige Millionengagen fordern zu können. In der letzten Szene des TV-Spots mustert Jennifer Aniston sich im Spiegel, bemerkt kühl: „Gute Nacht, Rachel.“ Und reißt sich dann die blonde Perücke vom Kopf. Rachel, das war einmal. „The Rachel“ heißt unter Hollywoods Stylisten jener Stufenhaarschnitt, mit dem Mitte der 90er-Jahre die junge Schauspielerin als Rachel in der US- Sitcom „Friends“ berühmt wurde. Millionen von Zuschauerinnen konnten sich mit diesem Look und dem Charakter identifizieren: Du hast schulterlange, langweilige Schnittlauchhaare, träumst von einem schwungvolleren Leben, versuchst ein bisschen Abwechslung in deine Welt zu bringen, lässt dich mit den falschen Typen ein, kommst wieder zur Vernunft und findest am Ende den Richtigen, zumindest den richtigen Hund. „The Rachel“ war ein Lebensentwurf und machte Jennifer Aniston zur Stilikone der lustig verzweifelten Generation X – und zu Amerikas Sweetheart. Jennifer Aniston, 1969 in einer Kleinstadt in Kalifornien in eine Schauspielerfamilie mit griechischen Wurzeln geboren, Scheidungskind, wurde nicht nur jedermanns Liebling. Sie angelte sich mit Brad Pitt das größte lebende Sexsymbol, führte fünf Jahre lang Hollywoods Traumehe, bis Brad sie 2005 für Angelina Jolie verließ und zur am meisten bemitleideten Verlassenen der Welt machte. Im Einklang mit den Filmen, die sie danach drehte („Trennung mit Hindernissen“, „Umständlich verliebt“ etc.) gingen ihre Beziehungen mit Vince Vaughn, John Mayer, Gerard Butler in die Brüche, alles Männer, deren Freude an öffentlichen Auftritten auf ein ausgeprägtes Ego schließen lässt. Das ist denn wohl auch die wichtigste Eigenschaft neben seinem märchenhaft schwarzen Haar (Gibt es schon „The Theroux“ als Haarton?), die Justin Theroux außer seiner überschaubaren Schauspielkarriere mitbringt: einen ruhigen Umgang mit dem Ruhm seiner künftigen Ehefrau. Diese fand ihn beim ersten Treffen vor fünf Jahren auf Hawaii „süß, aber auch düster“, „wie einen Serienkiller“. Der hauptberufliche Drehbuchautor („Iron Man 2“) stammt aus einer Künstlerfamilie in Washington. Er kennt das Auf und Ab im Filmgeschäft und dürfte deshalb auch mit der Rolle des Erlösers zurechtkommen, der Aniston endlich das lang ersehnte Happy End schenkt.

 

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