Interview
Anne Hathaway
Sie war vor allem süß. Und hat das Image einer Kino-Prinzessin lange genossen. Erst jetzt, mit 30, erkennt Anne Hathaway, auf was es ankommt. Geholfen hat ihr ausgerechnet die Hungerrolle in „Les Misérables“.
Text: Peter Praschl
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Die Rolle ihres Lebens: Anne Hathaway spielt die Rolle der Fantine in "Les Misérables"Getty Images9 von 9
Prinzessinnen hat sie gespielt, die mächtige Chefredakteurin der „Vogue“ gezähmt und als Catwoman gekämpft. Aber Traumrollen waren das nicht. Die Rolle ihres Lebens ist ein Straßenmädchen, abgemagert bis auf die Knochen, so spitz, dass nur die erbärmlichsten Männer sich nicht von ihrem Elend verstören lassen.
Ihr Leben lang hat sie sich gewünscht, genau diese Rolle spielen zu dürfen: Sich Rohlinge und Bösewichter gewogen machen zu müssen, damit ihr kleines Kind zu essen bekommt.
Seelenverwandtschaft? Herausforderung? Nein, eine Kindheitserinnerung. Ihre Mutter hat dieses Mädchen namens Fantine mal gespielt, die allerletzte Rolle, ehe sie ihre Bühnenkarriere beendete, um sich der Familie zu widmen. „Ich habe sie damals gesehen, da war ich sieben“, erzählt Anne Hathaway, „und seitdem habe ich nie wieder vergessen, wie ich da saß und schluchzte. Ich glaube nicht, dass es nur daran gelegen hat, dass ich dabei zusah, wie meine Mutter starb. Ich war so gerührt und habe mich ihr so verbunden gefühlt, ihr und der Musik und dem ganzen Spektakel, dass ich seitdem in ‚Les Misérables‘ regelrecht verliebt bin.“
Nun kann sie diese Liebe endlich ausleben, sie hat sich sorgsam darauf vorbereitet. Hat viel gelesen, nicht nur Victor Hugos Roman, sondern auch Bücher über das 19. Jahrhundert und die sexuelle Versklavung von Frauen. Hat sich ihre langen Haare abschneiden lassen und sich einer wahnwitzigen Abmagerungskur unterworfen. Sie war davor schon dünn, aber hier ging es schließlich darum, „dem Tode nahe auszusehen“, wie sie sagt, und dafür nahm sie in Kauf, sich wochenlang wie betäubt durch die Welt zu schleppen.
Es hat sich gelohnt. „Les Misérables“ (ab 21. Februar in den deutschen Kinos) ist ein beeindruckender Film geworden. Tom Hooper, der Regisseur von „The King’s Speech“ hat nicht nur ein erstklassiges Ensemble versammelt (neben Hathaway spielen Hugh Jackman, Russell Crowe und Helena Bonham Carter). Er hat es auch geschafft, aus einem Musical mehr zu machen, als bloß vor malerischen Kulissen Hits aneinanderzukleben. Das liegt daran, dass die Schauspieler beim Drehen tatsächlich singen mussten, statt wie sonst üblich ihre Auftritte erst später im Studio zu synchronisieren; das führt zu einer Intensität, wie man sie von Musikfilmen sonst kaum je bekommt. Hathaways berührende Performance von „I Dreamed a Dream“ kann man sich auf YouTube ansehen. In den USA kommt „Les Misérables“ zu Weihnachten in die Kinos, er gilt schon jetzt als einer der Favoriten für das diesjährige Oscar-Rennen.



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